Page 26 - Jahrbuch 2020
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Institute am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Institut für Soziologie
Nicole Zillien
Die Soziologie gilt gemeinhin als eine Nico Wettmann auch mehrere Beiträge baren Vortrag auf die Kategorie einer
„Krisenwissenschaft“, die in sozialen aus Gießen versammelt sind. Matthias Neuen Normalität.
Problem- und Umbruchphasen Deu- Rompel beforscht die Pandemiefolgen Neben diesen aktuellen Aktivitäten
tungsangebote macht und gesellschaft- für die Entwicklungs- und Schwellenlän- gibt es auch konkrete Zukunftspläne:
liche Diskurse orientiert. In der Pande- der des Globalen Südens und die asso- So organisiert Jens Maeße im März
miesituation ist soziologische Expertise ziierte Humboldt-Fellow Danijela 2021 im Kontext des Forschungsnetz-
deshalb gefragt: Folgt man der Ein- Majstorović (Banja Luka) reflektiert auf werks DiscourseNet einen internationa-
schätzung des Wochenmagazins „Der die Bedeutung der Pandemie für Pro- len e-Workshop mit Pandemiebezug
Spiegel“, so sind „neben den Toiletten- zesse sozialer Schließung an der süd- und ist einer der Gastherausgeber der
papierfabrikanten (…) Soziologen die östlichen Peripherie der EU. in Vorbereitung befindlichen Journal-
größten Krisengewinnler“. Auch im öffentlichen Corona-Diskurs ist ausgabe „Corona Discourse(s) Rema-
Auch das Gießener Institut für Soziolo- die Gießener Soziologie sichtbar: Ein- king the World: Experts, Politics, Media
gie widmet sich aus ganz unterschied- schränkungen der berufsbedingten and Everyday Life“. Das Team der
lichen Perspektiven der Coronakrise: So Mobilität und Schwierigkeiten digitaler Kultursoziologie plant zurzeit gemein-
publizierte Jörn Ahrens bereits Ende Kommunikation beispielsweise kamen sam mit zwei südafrikanischen Universi-
März in „The European Sociologist“ schon kurz vor Ausbruch der Krise in täten ein Forschungsprojekt zur dorti-
den Aufsatz „Praise of Biopolitics? The einem Interview der Gießener Allge- gen Post-Covid-19-Situation und wird
Covid-19 Pandemic and the Will for meinen Zeitung mit Jürgen Schraten zudem in einer Untersuchung zur Stadt-
Self-Preservation”. Im April folgten auf zur Sprache. Die im Sommer von Encar- planung in Gießen die Auswirkungen
„Soziopolis.de“ die pandemiebezoge- nación Gutiérrez Rodríguez, Çiçek Tanlı der Pandemie berücksichtigen. Zusam-
nen Beiträge „Biopolitiken der Immuni- und Daniel Heinz organisierte Vor- men mit der Türkisch-Deutschen
sierung in der Corona-Krise“ und „Die lesungsreihe „New Insights to Gender, Gesundheitsstiftung beim Bundesfami-
Sicherheitsversprechen digitaler Tech- Queer and Trans-Studies“ beschäftigte lienministerium bereitet Thomas Brüse-
nologien“ von Andreas Folkers bzw. sich u.a. mit den Konsequenzen der meister einen Projektantrag zum Thema
Andreas Langenohl und Carola Wester- Digitalisierung auf den Lebensalltag in „Achtsame Familie“ vor, der die unter
meier. Gemeinsam mit der Salzburger Covid-19-Zeiten. Spezifisch zur Relevanz Coronabedingungen angestiegene
Soziologin Kornelia Hahn arbeitet And- digitaler Ungleichheiten im Pandemie- häusliche Gewalt fokussiert.
reas Langenohl weiterhin an dem Her- kontext wurde Nicole Zillien in der Diese ist auch ein Gegenstand im von
ausgeberband „Öffentliches Leben: 3Sat-Sendung Scobel interviewt. Und Encarnación Gutiérrez Rodríguez und
Gesellschaftsdiagnose Covid-19“, in Jörn Ahrens reflektierte im Rahmen der Andrea Silva-Tapía durchgeführten
dem mit Aufsätzen von Dirk Medebach, an eine breitere Öffentlichkeit gerichte- Lehrforschungsprojekt „Ethnographien
von der früheren Kollegin Doris ten ZMI-Aktionswoche „Digitaler Habi- Intersektionaler Gewalt“, das die
Schweitzer sowie von Nicole Zillien und tus” in seinem nun auf Youtube verfüg- Effekte der Covid-19-Pandemie auf
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